Zucht & Genetik

Fellfarben bei Alpakas: Palette und Zuchtfallen

Timm Quandt9 Min. Lesezeit

Kaum ein anderer Faserlieferant kommt in so vielen natürlichen Farben vor wie das Alpaka. Das ist ein Geschenk für die Naturfarben-Zucht und zugleich ein Feld voller Stolperfallen. Zwei Farbschläge tragen einen Letalfaktor, ein dritter geht oft mit Taubheit einher. Wer das nicht kennt, plant Verpaarungen, die rechnerisch nie aufgehen. Diese Übersicht zeigt, worauf es ankommt.

Eine der größten Farbpaletten überhaupt

In Peru werden über 52 natürliche Farbtöne unterschieden, genetisch ergeben sich sogar mehr als 300 Nuancen. Für die Registrierung und Schau hat die Alpaca Owners Association das auf 16 Grundfarben eingedampft, plus einige Zwischentöne, zusammen 22. Die Palette reicht von Weiß über Beige- und Fawn-Töne, Braun- und Grau-Abstufungen bis zu Braunschwarz und echtem Schwarz. Jede Farbe trägt einen ARI-Code aus Buchstabe und Nummer, grob von 100 (Weiß) bis 500 (Schwarz). (Alpaca Owners Association; AZVD)

Die offiziellen Grundfarben (ARI-Code)

FarbeTonARI-Code
WeißWhiteWH 100
BeigeBeigeBG 201
Hell-FawnLight FawnLF 202
Mittel-FawnMedium FawnMF 204
Dunkel-FawnDark FawnDF 205
HellbraunLight BrownLB 209
MittelbraunMedium BrownMB 301
DunkelbraunDark BrownDB 410
BraunschwarzBay BlackBB 360
Echt-SchwarzTrue BlackTB 500
Hell-SilbergrauLight Silver GreyLSG 401
Mittel-SilbergrauMedium Silver GreyMSG 402
Dunkel-SilbergrauDark Silver GreyDSG 404
Hell-RosegrauLight Rose GreyLRG 408
Mittel-RosegrauMedium Rose GreyMRG 211
Dunkel-RosegrauDark Rose GreyDRG 306

Die Farbfelder sind Richtwerte zur Veranschaulichung, einen offiziellen Hex-Standard gibt es nicht. Dazu kommen mehrfarbige Tiere (Multicolour, MC 600), die sich keiner einzelnen Farbe zuordnen lassen.

Farbe sagt nichts über die Feinheit

Ein hartnäckiger Irrtum: dass weiße Tiere automatisch feinere Wolle hätten oder schwarze gröbere. Das stimmt nicht. Die Fellfarbe steuern die Gene ASIP und MC1R, den Faserdurchmesser dagegen ganz andere Gene, etwa Keratin-Gene wie KRTAP7-1. Beide Systeme arbeiten unabhängig voneinander. Du kannst also feine schwarze und grobe weiße Tiere haben, die Farbe ist kein Hinweis auf die Qualität. (Genetik- Studien Alpaka)

Wie fein die Wolle eines Tieres wirklich ist und woran man das misst, steht im Beitrag Alpakawolle: Warum die Faser so besonders ist.

Classic Grey: der versteckte Letalfaktor

Graue Alpakas sind beliebt und entsprechend gefragt. Hinter dem klassischen Grau („Classic Grey“) steckt aber ein bestätigter Letalfaktor, kein Züchter-Mythos, sondern nachgewiesen. Die verantwortliche Mutation wird autosomal-dominant vererbt und ist im homozygoten Zustand, also wenn ein Tier sie von beiden Eltern bekommt, schon im Embryo tödlich.

Praktisch heißt das: Verpaarst du Grau mit Grau, fällt rund ein Viertel der Embryonen früh aus. Übrig bleiben statt der erwarteten drei Viertel Grau nur etwa zwei Drittel graue und ein Drittel einfarbige Nachkommen. Wer das nicht weiß, rätselt über die scheinbar zu kleinen Würfe. Die gute Nachricht: Es gibt einen kommerziellen Gentest (Uni Gießen, VHLGenetics), mit dem sich Träger vorab bestimmen lassen. Silbergrau und Rosegrau entstehen übrigens anders, durch sogenanntes Roaning, und tragen dieses Risiko so nicht. (Animal Frontiers 2022)

Blauäugig und reinweiß? Genauer hinsehen

Ein blauäugiges weißes Alpaka (im Englischen blue-eyed white, kurz BEW) sieht spektakulär aus. Dahinter steckt vermutlich die Kombination des Grau-Gens mit einem Weißscheckungs-Gen. Der Haken: Solche Tiere sind mit hoher Wahrscheinlichkeit angeboren taub, je nach Studie zu 70 bis 90 Prozent beidseitig, genau wie weiße Katzen mit blauen Augen. Taube Tiere kann man halten, aber man sollte es wissen, für ihre Sicherheit, für das Training und für die Entscheidung, ob man gezielt weiter auf BEW setzt. (BAER- Studien; J Heredity 2014)

Suri oder Huacaya wird mitvererbt

Nicht nur die Farbe, auch der Vliestyp folgt klaren Regeln. Suri wird autosomal-dominant vererbt, Huacaya rezessiv. Die Ursache ist eine Mutation im Gen TRPV3, die sich in allen untersuchten Suri-Tieren fand. Es gibt sogar einen Verdacht, dass auch das Suri-Gen im reinerbigen Zustand tödlich sein könnte. Bewiesen ist das noch nicht, würde aber erklären, warum der Suri-Anteil seit Jahrzehnten bei rund sieben Prozent festhängt. (BMC Genomics 2024)

Bei den Scheckungsmustern, also Tuxedo, Appaloosa und Pinto, ist die Genetik dagegen noch nicht geklärt. Vergleiche mit dem Pferd helfen hier nicht weiter. Wer auf Muster züchtet, arbeitet also weiter mit Erfahrung statt mit Gentest. (Animal Frontiers 2022)

Was das für deine Zucht heißt

Lange wurde vor allem auf reinweiße Tiere gezüchtet, weil sich weiße Wolle beliebig einfärben lässt. Mit dem Trend zu Naturfarben hat sich das gedreht. Heute sind in Europa gesunde dunkle Farbschläge oft leichter zu finden als einwandfreie Vererber von viel weißer Wolle. Welche Farbe dein Zuchtziel ist, bleibt Geschmackssache, die genetischen Fallen kennst du jetzt.

Ein letzter Punkt, der schwerer wiegt als jede Farbe: der Genpool. Rund 99 Prozent aller Alpakas leben weiterhin in Südamerika, die Herden außerhalb gehen auf wenige importierte Tiere zurück. Entsprechend eng ist die Verwandtschaft, und Alpakas zeigen Hinweise auf jüngere Inzucht. Outcrossing und ein sauber geführter Stammbaum sind deshalb keine Kür, sondern Grundlage gesunder Zucht. (BMC Genomics 2023)

Wie Deckzeitpunkt, Tragzeit und Geburt zusammenhängen, liest du im Beitrag Der Deckprozess bei Alpakas.