Tierwissen

Alpaka oder Lama? Die wichtigsten Unterschiede

Timm Quandt7 Min. Lesezeit

Von Weitem sehen Alpaka und Lama fast gleich aus. Beide flauschig, beide mit langem Hals und freundlichem Gesicht, beide aus den Anden. Aus der Nähe ist der Unterschied zwischen Alpaka und Lama aber leicht zu erkennen. Meist reicht schon ein Blick auf die Ohren. Der Rest ergibt sich aus Größe, Wolle und der Frage, wofür man die Tiere überhaupt hält. Diese sechs Punkte zählen wirklich.

Der schnelle Vergleich

Wer es eilig hat, findet die wichtigsten Punkte in dieser Tabelle. Darunter gehe ich auf jeden einzeln ein.

MerkmalAlpakaLama
Ohrenkurz, gerade, spitzlang, nach innen gebogen
Gewicht48 bis 90 kg130 bis 270 kg
Widerristhöheca. 90 cm100 bis 115 cm
Hauptnutzungfeine Faser und WolleLast- und Wachtier
Wesenscheuer, sanfterselbstbewusster, robuster
Stammt ab vomVikunjaGuanako

Die Ohren verraten es sofort

Das eindeutigste Merkmal sitzt am Kopf. Alpaka-Ohren sind kurz, gerade und laufen spitz zu, fast wie kleine Speere. Lama-Ohren sind länger und biegen sich nach innen, weshalb man oft Bananen als Vergleich hört. Wenn du dir nur eine Sache merkst, dann diese: kurze gerade Ohren heißen Alpaka, lange gebogene Ohren heißen Lama. (Britannica; Rutgers NJAES)

Größe und Gewicht

Das Lama ist das größte domestizierte Neuweltkamel. Es bringt 130 bis 270 kg auf die Waage und misst am Widerrist 100 bis 115 cm, mit erhobenem Kopf reicht es bis etwa 1,80 m. Ein Alpaka bleibt mit 48 bis 90 kg und rund 90 cm Schulterhöhe deutlich kleiner. Stehen beide nebeneinander, brauchst du die Ohren gar nicht mehr, um sie auseinanderzuhalten. (Animal Diversity Web; Rutgers NJAES)

Bei der Lebenserwartung liegen beide nah beieinander. Alpakas werden meist 15 bis 20 Jahre alt, das älteste dokumentierte Tier wurde 28. Lamas erreichen 15 bis 25 Jahre, manche über 30. (Wikipedia)

Wofür man sie hält

Hier trennen sich die Wege am deutlichsten. Das Alpaka ist ein Faserlieferant. Durch jahrtausendelange Zucht fehlen ihm die groben Deckhaare fast völlig. Seine Faser liegt im Mittel bei etwa 22 µm und ist fein genug, um sie direkt auf der Haut zu tragen. Das Lama war dagegen immer Last- und Wachtier. Sein Vlies trägt neben der feinen Unterwolle grobe Grannenhaare von 35 bis 60 µm und wird eher zu Teppichen, Seilen oder Filz verarbeitet. (Rappersberger 2018)

Als Lasttier schleppt ein Lama rund ein Viertel bis ein Drittel seines Körpergewichts über 8 bis 13 km am Tag. Als Herdenschutz ist es erstaunlich gut. Ein einzelnes kastriertes Männchen oder eine nicht gedeckte Stute stellt sich bei Gefahr zwischen Herde und Eindringling, schlägt Alarm und geht auf die Bedrohung zu. Gegen Kojoten, Füchse und streunende Hunde klappt das zuverlässig. Gegen Bären oder ein ganzes Rudel nicht. (Wikipedia „Guard llama“; Iowa State Extension)

Mehr zur Faser selbst, also Feinheit, Huacaya gegen Suri und warum Alpakawolle als hypoallergen gilt, steht im Beitrag Alpakawolle: Warum die Faser so besonders ist.

Das Wesen und die Sache mit dem Spucken

Beide Arten sind Flucht- und Distanztiere, keine geborenen Streicheltiere. Alpakas gelten als scheuer und sanfter, Lamas als selbstbewusster und neugieriger. Das macht das Lama auch zum besseren Wachtier. Wer sich nähert, tut das am besten ruhig und seitlich, ohne viel Blickkontakt und nie direkt von hinten. (discover-bavaria; alpacainfo)

Und das berühmte Spucken? Das passiert vor allem untereinander, zum Klären der Rangordnung oder beim Streit ums Futter. Menschen treffen sie selten, und meistens nur, wenn man sie bedrängt. Vorher gibt es fast immer eine Warnung: angelegte Ohren und eine gereckte Nase. Wer die liest, bleibt trocken. (Animal Diversity Web)

Die richtigen Fachbegriffe

In der Zucht tragen die Tiere eigene Namen, die meist aus dem Spanischen kommen. Ein männliches Tier heißt Macho, ein weibliches Hembra. Ein kastriertes Männchen ist ein Wallach, eine noch nicht gedeckte Stute eine Maiden. Das Jungtier nennt man Cria, spanisch für Säugling. (Alpacas of Montana)

Kann man Alpaka und Lama kreuzen?

Ja, das geht. Alle Neuweltkameliden, also Alpaka, Lama, Vikunja und Guanako, haben 74 Chromosomen und lassen sich untereinander kreuzen. Die Verbindung aus Lama-Vater und Alpaka-Mutter heißt Huarizo (auch Llapaca), und die Tiere der ersten Generation sind fruchtbar. In der ernsthaften Faserzucht spielt das aber kaum eine Rolle. Wer feine Wolle will, bleibt beim reinen Alpaka. (Wikipedia „Huarizo“)

Mythen-Check

Um kaum ein Tier ranken sich so viele halbe Wahrheiten. Vier davon kurz geradegerückt:

  • „Die spucken doch ständig.“ Nein, fast nur untereinander. Beim Menschen passiert es nur, wenn man sie bedrängt.
  • „Alpakas sind aggressiv.“ Im Gegenteil. Sie meiden Konfrontation und sind sanfter als Lamas.
  • „Die stinken.“ Kaum. Das Vlies enthält kein Lanolin, riecht deshalb wenig und ist hautfreundlich.
  • „Alpakas können gut schwimmen.“ Eher nicht. Nasses Vlies wird schnell schwer, gute Schwimmer sind sie nicht. (Britannica)

Zum Schluss noch eine Zahl für die nächste Wette: Das teuerste Alpaka aller Zeiten, der Hengst „Snowmass Matrix“, wechselte 2010 für 675.000 US-Dollar den Besitzer. (Guinness World Records)