Haltung & Gesundheit

Alpakas halten: Der Einsteiger-Guide

Timm Quandt10 Min. Lesezeit

Alpakas gelten als unkompliziert, und das stimmt im Großen und Ganzen. Sie sind robust, futtereffizient und schonen mit ihren weichen Sohlenpolstern sogar die Weide. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die vor dem Kauf der ersten Tiere feststehen müssen, von der Gruppengröße über die Fläche bis zur Meldepflicht. Dieser Guide geht sie der Reihe nach durch.

Niemals allein: mindestens drei Tiere

Das ist der wichtigste Punkt, und er ist nicht verhandelbar. Alpakas sind Herdentiere. Ein einzelnes Tier vereinsamt, wird gestresst und krank. Einzelhaltung ist nach deutschem Tierschutzrecht nicht zulässig. Zwei Tiere sind das absolute Minimum, empfohlen werden mindestens drei, damit die Herde auch dann noch funktioniert, wenn ein Tier ausfällt oder verkauft wird. (Alpaca UK; UC ANR)

Wie viel Platz brauchst du?

In Deutschland geben die BMEL-Mindestanforderungen den Rahmen vor. Für die ersten zwei Tiere brauchst du mindestens 1.000 m² Weide, für jedes weitere Tier zusätzlich 100 m². Der Unterstand soll mindestens 4 m² für zwei Tiere bieten, je weiteres Tier 1 m² mehr, bei einer lichten Höhe von mindestens 2 m. Das sind Untergrenzen. Mehr Fläche ist immer besser, schon weil satte Tiere mit Auswahl gar nicht erst an giftigen Pflanzen knabbern. (BMEL-Gutachten)

Beim Zaun reicht den Tieren selbst wenig. Alpakas fordern Zäune kaum heraus, eine Höhe um 1,20 m genügt. Stacheldraht ist tabu. Wichtiger als die Höhe ist oft, was von außen hereinkommt, freilaufende Hunde zum Beispiel. Der Unterstand muss nicht beheizt sein, aber trocken und windgeschützt, denn durchnässtes Vlies verliert seine Isolierwirkung. (UC ANR; Penn State)

Was auf den Speiseplan gehört

Hier machen Einsteiger die meisten Fehler, meist aus gut gemeinter Fürsorge. Alpakas sind Pflanzenfresser und leben von Raufutter: Gras und Heu. Pro Tag nehmen sie etwa 1 bis 2 Prozent ihres Körpergewichts an Trockenmasse auf, ein Alpaka also grob 1 bis 2 kg Heu. Ihr Verdauungssystem ist auf karge, faserreiche Kost ausgelegt und holt daraus mehr heraus als ein Schaf oder Rind. (NRC 2007; RMLA)

Genau deshalb ist zu viel Kraftfutter gefährlich. Stärke- und zuckerreiches Futter kann den ersten Magenabschnitt übersäuern, eine sogenannte C1-Azidose, besonders bei einem plötzlichen Futterwechsel. Kraftfutter also nur in kleinen Mengen und langsam angewöhnen. Frisches Wasser muss immer verfügbar sein, ein Alpaka trinkt rund 4 bis 6 Liter am Tag. (Tierärztliche Praxis, Thieme 2017; Veterian Key)

Ein Wort zum Gewicht: Übergewicht ist eines der häufigsten Gesundheitsprobleme gehaltener Alpakas, und das dichte Vlies verdeckt es. Statt nach Augenmaß beurteilt man die Kondition per Hand über den Body-Condition-Score (Skala 1 bis 5, Ziel ist die 3). Einmal im Monat über Rücken und Lende tasten reicht, um Veränderungen früh zu bemerken. (Penn State Extension; Merck Vet Manual)

Mineralstoffe: Vitamin D und Selen

Zwei Punkte sind in unseren Breiten besonders wichtig. Im Winter reicht das UV-Licht nicht aus, damit die Tiere selbst genug Vitamin D bilden. Vor allem Jungtiere brauchen von Oktober bis März eine Ergänzung, sonst droht Rachitis. Vitamin D muss aber präzise dosiert werden, denn eine Überdosis ist tödlich. Außerdem gilt Deutschland als selenarm, weshalb eine Vitamin-E- und Selen-Versorgung kaum zu umgehen ist. Besprich beides am besten mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt. (Camelid Veterinary Services; AZVD)

Routinepflege übers Jahr

Vier Termine bestimmen den Pflegekalender. Einmal im Jahr, im Frühjahr, wird geschoren. Das ist kein Schönheitsthema, sondern Hitzeschutz: Kameliden vertragen Hitze und Schwüle schlecht, und das Vlies wächst bis zum Winter wieder nach. Die Krallen werden je nach Untergrund zwei bis drei Mal im Jahr geschnitten. Die Zähne sollten kontrolliert werden, in einer Studie hatten 82 Prozent der untersuchten Alpakas mindestens einen Zahnbefund, und weil die Tiere Schmerz kaum zeigen, bleibt das oft unbemerkt. Bei Hengsten kommen die scharfen Kampfzähne dazu, die regelmäßig gekürzt werden. (UC ANR; Proost et al. 2020)

Wiederkehrende Termine wie Schur, Krallenschnitt und Kotprobe lassen sich pro Tier planen, statt sie im Kopf zu behalten.

Gesundheit im Blick behalten

Das häufigste Gesundheitsthema sind Magen-Darm-Parasiten. Statt die ganze Herde pauschal nach Kalender zu entwurmen, was nur Resistenzen fördert, arbeitet man heute gezielt. Zwei Werkzeuge helfen dabei: eine Kotuntersuchung mindestens zwei Mal im Jahr (Frühjahr und Herbst) und die FAMACHA-Methode. Dabei liest man die Blutarmut direkt an der Farbe der inneren Unterlid-Bindehaut ab, auf einer Skala von 1 (tiefrot, gesund) bis 5 (weiß, schwer anämisch). Entwurmt wird nur, wer es wirklich braucht. (Tiergesundheitsdienst Burgenland; Veterian Key)

Geimpft wird in der Regel gegen Clostridien (Typ C und D) und Tetanus. Ein Hinweis, der viele überrascht: Für Neuweltkameliden ist in Deutschland kein eigenes Arzneimittel und kein eigener Impfstoff zugelassen, der Tierarzt muss Präparate aus der Human- oder anderen Tiermedizin umwidmen. Umso wichtiger ist ein Tierarzt mit Kameliden-Erfahrung. (Merck Vet Manual; AZVD)

Eine eigene Baustelle sind Giftpflanzen auf Weide und in Nachbargärten. Welche Pflanzen für Alpakas gefährlich sind und warum manche getrocknet im Heu sogar giftiger werden, steht im Beitrag Giftpflanzen für Alpakas.

Was rechtlich auf dich zukommt

Drei Dinge solltest du vor dem ersten Tier wissen. Erstens: Die Haltung ist meldepflichtig, und du musst ein Bestandsregister führen, das regelt § 45 der Viehverkehrsverordnung. Eine bundeseinheitliche Kennzeichnungspflicht (etwa per Ohrmarke) gibt es nicht, ein Mikrochip wird aber empfohlen. Zweitens haftest du nach § 833 BGB als Tierhalter grundsätzlich für Schäden, die deine Tiere verursachen, und zwar unabhängig vom eigenen Verschulden. Eine passende Tierhalter-Haftpflicht gehört deshalb dazu. Drittens, falls du später Wanderungen oder Besuche gegen Geld anbietest: Sobald Geld fließt, gilt das als gewerblich, und eine private Haftpflicht reicht nicht mehr. (ViehVerkV; § 833 BGB)

Der erste Schritt

Wenn du Fläche, Zaun, Unterstand und einen kameliden-erfahrenen Tierarzt hast, steht dem Start nichts im Weg. Kauf die Tiere möglichst aus einer Herde, lass sie chippen und nimm dir Zeit, sie kennenzulernen, bevor der Alltag beginnt. Den Rest lernst du mit der Herde.